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Was macht eigentlich Andreas Dobler?

„Der Erfolg der FCA-Junioren war kein Zufall“

Verein 17.08.2021, 14:22

Mit den A-Junioren des FC Augsburg holte Andreas Dobler 1992 den DFB-Pokal und 1993 die Deutsche Meisterschaft. Im Stadionkurier spricht der 46-Jährige über die beiden Erfolge, einen Autocorso durch die Stadt und die elfte Bundesliga-Saison der Fuggerstädter.

Hallo Andi, wo habe ich dich gerade erreicht?
Zuhause. Ich habe Urlaub und komme gerade aus dem Garten vom Kicken mit meinem Sohn.

Was sagt dir der 4. Juli 1993?
Den Tag verbinde ich mit sehr vielen schönen Erinnerungen. Wir haben mit den A-Junioren des FCA die Deutsche Meisterschaft gewonnen und das war ein echter Meilenstein in meiner sportlichen Karriere.

Bevor wir über die Finalspiele sprechen - wie bist du überhaupt zum FC Augsburg gekommen?
Ich stand schon seit der C-Jugend mit dem FCA in Kontakt. Ich habe damals beim TSV Göggingen gespielt und da kam es zu mehreren Duellen mit dem FCA, daher kannte man sich auch. Irgendwann bekam ich dann ein konkretes Angebot und ich bin zu den B-Junioren an die Donauwörther Straße gewechselt. Wir sind in der ersten Saison auch gleich Südbayerischer Meister geworden. Im Finale um die Bayerische Meisterschaft haben wir knapp gegen den 1. FC Nürnberg verloren.

Wie war die Situation in den 90er Jahren in der Jugendabteilung? Eure Konkurrenten kamen überwiegend von Bundesliga-Vereinen, während die erste Mannschaft des FCA in der Bayernliga spielte.
Das kann man natürlich nicht mit den heutigen Nachwuchsleistungszentren vergleichen. Aber für die damaligen Verhältnisse war das trotzdem schon sehr professionell aufgestellt. Wir hatten Physios und Masseure und viermal die Woche Training. Im Prinzip drehte sich alles nur um Fußball und Schule. Der Erfolg der FCA-Junioren war also kein Zufall. In der Saison 19992/93 konnten wir in der Meisterschaft alle Spiele gewinnen, bis auf ein Unentschieden am letzten Spieltag gegen 1860 München. Ich kann mich übrigens auch noch an Duelle gegen Markus Weinzierl erinnern, der damals beim 1. FC Passau spielte. Darüber hinaus wurden wir Bayerischer Meister in der Halle und haben in diesem Jahr auch alle Einladungs-Turniere gewonnen. Das war richtig toll, wir waren unter anderem in Frankreich und Schottland unterwegs. Es war wirklich eine sehr erfolgreiche und schöne Zeit beim FCA.

Kommen wir auf die Endrunde der Deutschen Meisterschaft zu sprechen. Los ging es im Achtelfinale gegen Hertha Zehlendorf. Da wurden beide Spiele 4:3 und 3:1 gewonnen. Danach kam der 1. FC Köln und es setzte die erste Niederlage der Saison.
Das erste Spiel haben wir in Köln 2:0 gewonnen, das Rückspiel ging dann tatsächlich 4:5 verloren. Das war die erste Niederlage der Saison und eine ganz neue Erfahrung für uns. Ein paar Tage später beim Halbfinale in Bremen setzte es die nächste Niederlage mit einem 4:6, aber in Augsburg gewannen wir in der regulären Spielzeit 2:0 und konnten das Spiel letztendlich im Elfmeterschießen für uns entscheiden. Damals gab es noch keine Auswärtstorregel.

Diese Spiele waren echte Tor-Festivals, es fielen 38 Treffer in sieben Spielen, also 5,42 im Schnitt und das ohne die Elfmetertore.
Das stimmt, das waren fast alles sehr mitreißende und spektakuläre Partien. Damals war Fußball noch nicht so taktisch geprägt wie heute und wir waren offensiv einfach sehr stark aufgestellt. Wir haben immer nach vorne gespielt, wir konnten gar nicht anders.

"Ich bin optimistisch, dass wir ein weiteres Jahr in der Bundesliga erleben werden."

Das Finale fand im Rosenaustadion vor 11.000 Zuschauer statt. Es war ein brütend heißer Tag und Lautern ging früh in Führung. Wie hast du das Spiel in Erinnerung?
Es herrschte schon Tage vorher verhältnismäßig viel Wirbel. Je näher der Anpfiff rückte, desto größer wurde die Anspannung. Als wir endlich im Stadion einliefen, war das ein echter Gänsehautmoment. Für die damaligen Augsburger Verhältnisse war das Stadion gefühlt ausverkauft und für uns als Jugendliche war das ein einmaliges Erlebnis. Es stimmt, es war extrem heiß und die Füße wurden schnell schwer. Wir sind durch ein unglückliches Tor in Rückstand geraten, aber wir wurden nie wirklich nervös, weil wir um unsere Offensivstärke wussten. In der 76. Minuten traf Thomas Meggle zum Ausgleich, ein paar Minuten später gelang Frank Gerster das 2:1 und Michael Rösele schoss dann sogar noch das 3:1.

Der damalige Präsident Peter Bircks sagte nach dem Finale: “Das ist der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte.” Wie waren die Feierlichkeiten nach diesem Erfolg?
Nach dem Schlusspfiff brachen alle Dämme. Es war ein unglaubliches Glücksgefühl und jeder war stolz, Teil dieses Teams zu sein. Es wurde natürlich ordentlich gefeiert, ich kann mich noch erinnern, wie mir Peter Bircks die Schlüssel von seinem Mercedes Cabrio in die Hand gedrückt hat. Wir sind dann mit offenem Dach im Autocorso in die Innenstadt gefahren. Blöd nur, dass die Handbremse noch drin war und die Bremsbeläge rauchten. (lacht) Später gab es auch noch einen Empfang im Rathaus beim damaligen Bürgermeister Peter Menacher und als wir auf dem Balkon standen, waren wir überrascht, dass sich doch einige Augsburger auf dem Rathausplatz versammelt und uns zugewunken haben. Der Bayerische Rundfunk hatte damals eine kleine Doku über uns gedreht und nach der Meisterschaft wurden wir noch ins Studio nach Freimann eingeladen. Ich hatte die Ehre, unseren Trainer Heiner Schuhmann mit einigen anderen Spielern begleiten zu dürfen.

Du stammst aus einer echten Fußballerfamilie, dein Vater Rudi war ein bekannter Trainer in der Region.
Das stimmt, mein Vater hat für den BC Augsburg gespielt und wurde später Trainer unter anderem bei der 2. Mannschaft des FCA, beim TSV Schwaben und bei der TSG Augsburg.

Frank Gerster wechselte zum FC Bayern, Thomas Meggle zu St. Pauli und Michael Rösele zum 1. FC Köln. Wenn ich mich richtig erinnere, ging deine Reise beim TSV Schwaben weiter.
Meggle ging erst später nach Hamburg. Er ist anschließend zusammen mit mir und Matthias Meier zu den Schwaben gewechselt. Leider musste ich dann wegen einer Augenerkrankung und zwei Operationen nach einigen Jahren ziemlich früh mit dem Fußball aufhören.

Hast du eigentlich noch mit Thomas Tuchel gespielt?
Ja, Thomas war ein Jahrgang vor mir, in der Saison 1991/92, als der FCA Pokalsieger wurde, war ich auch im Kader. Ich hatte also das Glück, den Pokal und die Meisterschaft zugewinnen.

Wie intensiv verfolgst du heute noch den FCA?
Schon intensiv und ich finde es super, wie sich der Verein in der Bundesliga etabliert hat. Mein Sohn ist auch FCA-Fan und wechselt im Herbst auf die FCA-Eliteschule nach Gersthofen. Es haben viele Kinder bei den Sichtungslehrgängen vorgespielt und er wurde genommen, was mich natürlich sehr gefreut hat, denn so schließt sich der Kreis.

Nun beginnt die neue Saison, wohin geht die Reise des FC Augsburg?
Das letzte Jahr war sehr schwierig und zäh, der Mannschaft fehlte einfach die Konstanz. Irgendwie konnte das Potential nicht richtig abgerufen werden. Ich denke aber schon, dass die neue Saison in etwas ruhigeren Fahrwassern verlaufen wird. Ich bin optimistisch, dass wir zumindest den Klassenerhalt und ein weiteres Jahr in der Bundesliga erleben werden. (ws)

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Tags:
Stadionkurier